Allah ist gar nicht so groß… und liebt Gewerkschaften

Der Terror des IS geht weiter, nur die Ausrichtung ist neu. Weil die GF Probleme im Cashflow ausgemacht hat und deshalb den Arbeitnehmern die Löhne halbiert, könnte sich die aufgestaute Wut schon in Bälde innerbetrieblich entladen. Vorsorglich wurde schon mal die Firmen-Kita geschlossen.

 

Die Nachricht liest sich wie vom Postillon kreiert, aber sie ist keineswegs satirisch gemeint: Weil der IS aktuell angeblich Liquiditätsprobleme hat, wurden die Löhne der Söldner um die Hälfte gekürzt. Die angestellten Mudschaheddin sollen mit der Gesamtsituation sehr unzufrieden sein. So vermelden es u.a. SZ oder SPON. Aber auch die seriösen Portale wie msn bestätigen die Berichte. Internen Informationen zufolge ist das jedoch nur die Spitze des Eisbergs…

 

Bisher konzentrierten sich Interviews mit zurückgekehrten IS-Aussteigern eher auf die aggressive Marketing- und Expansionsstrategie der IS GmbH & Co. KG (die Firma versteckt ganz bescheiden ihre Gemeinnützigkeit gerne hinter der Maske eines normalen Wirtschaftsunternehmens). Durch die jüngsten Enthüllungen ist aber zu erwarten, dass sich der Fokus der Öffentlichkeit, ähnlich wie dies bei zalando oder amazon geschehen ist, künftig stärker auf die Arbeitsbedingungen der Angestellten richtet. Diese sind nämlich derart ausgelegt, als dass das Paradies bitte erst nach dem Selbstmordattentat zu erwarten ist. Aus Sicht der GF eine motivationale Strategie, die sinnvoll erscheint, jedoch mit geltendem Arbeitsrecht unvereinbar sein dürfte. Es verwundert daher nicht, dass bereits hinter vorgehaltener Hand (trotz Schleier) über eine Gewerkschaft gemunkelt wird. Der Betriebs-Friede im beruflichen Foyer zum Paradies scheint zu implodieren.

 

„Gott würfelt nicht“ (Allah)

 

Was jetzt an die Öffentlichkeit dringt, ist nur die notwendige Folge eines seit Monaten schwelenden Konflikts im Nahen Osten: Im Frühjahr letzten Jahres hat die IS-interne selbstorganisierte (sprich autonome) Arbeitsgruppe „Erboste Gewerkschaft arabisch-stämmiger Landsleute“ (EGAL) eine Umfrage unter Angestellten zur Zufriedenheit hinsichtlich ihres Arbeitsplatzes durchgeführt, mit alarmierenden Ergebnissen: Lagerkoller, kein Auslandstagegeld sowie unpersönlicher, fast schon anonymer Umgang im Kollegenkreis sind die häufigsten Beschwerden. Als die Namen der unzufriedenen Querulanten bekannt wurden, brachte dies den Gürtel endgültig zum Explodieren. „Wir wollten ein repräsentatives Ergebnis erzielen. Um doppelte Meinungsäußerungen zu vermeiden, mussten wir die Aussagen der allzeit vermummten Mitarbeiterschaft namentlich festhalten“, verteidigt sich die AG EGAL halbseiden. Doch da war bereits der Stift gezogen.

 

Was den leidenschaftlichen Kämpfern für die Arbeitnehmerrechte nicht bekannt war, ist der interne Verfahrensbeschluss zum Umgang mit Betriebsruhestörern im Rahmen des innerbetrieblichen Konfliktmanagements. „Wir verhandeln nicht mit Terroristen“ lautet der kommunikationspolitisch leicht konservativ angehauchte Titel des Memos. Die AG-Mitglieder sowie die nörgelnden Mitarbeiter wurden auf der Einsatzliste ans Ende gerückt – das Paradies muss warten. Da die GF mit ihrem resoluten Vorgehen wenig Fingerspitzengefühl bewies, blieben am Ende nur Verlierer. Und auch wenn diese Erkenntnis beim IS berufsimmanent irgendwie stets mitschwingt, fühlte es sich nicht richtig an.

 

„Was einmal gedacht wurde, kann nicht zurückgenommen werden“ (Allah)

 

Das Feuer war gelegt. Die Lawine der Gerechten rollte. Da half auch die hastig zusammengeklöppelte Erklärung der GF nichts. „Unser Unternehmen ist stets bestrebt, auf die Qualität der Arbeitsbedingungen zu achten. Jedoch können, aus rein finanziellen Gründen, wie wir betonen wollen, nicht alle Wünsche der Belegschaft umgesetzt werden. Nachfragen nach einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder gar einer Hinterbliebenenrente mussten wir schweren Herzens eine Absage erteilen, da die Beitragssätze der Versicherungskonzerne ruinösen Charakter haben. Wir können dies nicht nachvollziehen und vermuten dahinter abendländische Schikane. Die halten sich doch für Gott!“

 

Dieses bloße Lippenbekenntnis war, mäßig überraschend, nicht geeignet, um die Idee von einem arbeitnehmer- und familienfreundlicheren Unternehmen zu steinigen. Und entgegen der Erwartungen der GF manifestierte sich, vollkommen konträr zur Natur der Angestellten und daher umso überraschender, der Widerstand und fand seinen Ausdruck im plötzlich freigelegten Kampfeswillen – eine Entwicklung, die wahrlich niemand zu prophezeien vermochte. Aus eigener Tasche wurden Online-Seminare zum Betriebsverfassungsgesetz bezahlt, um sich endlich Gehör in der Chefetage verschaffen zu können. Die Halbierung der Gehälter wird nun das erste große Thema sein, mit dem sich der frisch gewählte Betriebsrat auseinanderzusetzen hat.

 

Ach, Luise, laß… das ist ein zu weites Feld (Allah)

 

Der Einfluss der Betriebsratsmitglieder, die innerhalb der Belegschaft originellerweise nur als „Freiheitskämpfer“ verehrt werden, soll sich auch auf andere Aspekte der Unternehmenspolitik ausdehnen. So wurde bisher das Thema „Gendermainstream“ offenbar nicht in vollem Umfang berücksichtigt, und der Wunsch der angestellten Selbstmordattentäter nach einer betrieblichen Altersvorsorge soll mit noch mehr Nachdruck artikuliert werden. Hier wird sich zeigen, ob die konsensorientierten Debatten tatsächlich auf Augenhöhe stattfinden.

 

Die Unternehmensleitung wird ihren Kurs in naher Zukunft korrigieren müssen, um nicht denselben Fehler zu machen wie endlose Firmen bisher. Niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen wirken sich nicht nur auf die bestehende Belegschaft aus, sondern können auch die sonst so durchschlagende Außenwirkung trüben. Fachkräftemangel droht. Und es zeugt auch nicht von großer Kompetenz, wenn im Rahmen eines Bummelstreiks die Bombe erst explodiert, wenn die wartenden Passagiere bereits vom Bus abgeholt wurden.

 

Es bleibt abzuwarten, wie die GF der IS GmbH & Co. KG auf die innerhäusigen Liberalisierungsvorstöße reagiert. Womöglich werden schon bald arbeitgebernahe Parteien wie hierzulande die FDP im Wahlkampf großzügig unterstützt – dann allerdings wäre eine neue Stufe des Terrors erreicht.

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Kommentare: 2
  • #1

    Airman O'Melly (Samstag, 23 Januar 2016 22:57)

    Ist ja interessant mal was über die innerbetrieblichen Konflikte dieses fasst schon globalen Unternehmens zu lesen. Mich würde noch interessieren, wie es um die Integration ausländischer Fachkräfte (DesoDogg, DschihadiJohn und normaler Konvertiten) bestellt ist. Sind diese vollständig anerkannt oder werden sie diskriminiert? Bekommen sie das gleiche Gehalt und soziale Leistungen oder wird der Mindestlohn unterlaufen und sie werden zur Lohndrückerei missbraucht?

    Grüße von der Andrews Airbase!

  • #2

    Heinz (Sonntag, 24 Januar 2016 02:53)

    Alles wichtige Punkte, und auch hier sollte man nicht warten, bis die Bombe platzt.
    Gerade ausländische Fachkräfte haben es schwer. Der IS hat hier in Folge des Bologna-Prozesses ein breites Angebot an jungen Menschen, die gerne Auslandserfahrungen sammeln möchten, um das eigene Land in einem anderen Licht zu sehen. Das Überangebot drückt die Löhne. Zusätzlich verfügt die "Generation Praktikum" durch den Wegfall der Wehrpflicht oft nicht über die nötige Ausbildung, um nach läppischen 3 Tagen waterboarding die Gehaltsverhandlungen zum eigenen Vorteil zu nutzen - hier zeigt sich auch schlicht das Versagen der europäischen Pädagogik. Ferner sind projektbezogene und somit befristete Anstellungen die Regel. Frau Nahles hat all dies bereits scharf verurteilt und fordert in den IS-Ländern den starken Staat.