Quote über alles – alles über die Quote!

In der langen Menschheitsgeschichte wurde so mancher Erfolg gegen Unterdrückung erzielt: Wahlrecht für alle Bürger statt nur für Adlige, Befreiung der Sklaven oder auch McDonalds-Filialen in China. Nur Frauen werden bis heute schlechter behandelt als Jesus Christus auf dessen Abschiedstour. Dabei ist die Lösung so naheliegend – eine Quote für alles muss her!

Selbst die Bundeskanzlerin hat inzwischen eingesehen, was Frauenrechtlerinnen und Politiker längst predigen, nämlich dass unsere Welt nur dann gerecht wird, wenn die weiblichen Mitbürgerinnen endlich alles dürfen. Ob sie das dann auch können, ist selbstverständlich sekundär. Die Frauenquote in Großunternehmen ist beschlossene Sache, denn Frauen in Aufsichtsräten würden die Wirtschaft vorantreiben. Der unumstößliche Beweis hierfür leitet sich Forschungen zufolge direkt aus der Redewendung „ist eben so“ ab.


Aber wie viele Frauen in Deutschland werden davon profitieren? Ist damit tatsächlich allen geholfen? Mitnichten! Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr schwerst benachteiligte Frauen aus sämtlichen Berufsgruppen eine eigene Quote fordern.

Verbindliche Quote in alltäglichen Berufszweigen

Zuletzt machten Regisseurinnen mit der Kampagne „ProQuote-Regie“ auf ihr Märtyrium in der Filmbranche aufmerksam. Nur 15% der Kino- und Fernsehfilme würden von Frauen gemacht, obwohl 42% der Filmhochschul-Absolventen weiblich seien. Ein Skandal sondergleichen, und wieder inmitten unserer Gesellschaft! Prominente Unterstützung erhielt die Bewegung durch begnadete Filmschaffende wie bspw. Veronica Ferres. In den nächsten 10 Jahren soll eine Quote dergestalt eingeführt werden, dass die Filme zur Hälfte von Frauen gedreht werden. Leider wurde nicht gesagt, ob dann auch 42% Hochschul-Absolventinnen als Begründung für die Quote ausreichen, oder ob auch eine weibliche Abgänger-Quote von (theoretisch) 3,8% genügt.


Es bleibt indes fraglich, inwieweit dieser Schnitt ausreicht, um Frauen im Filmgeschäft angemessen zu fördern. Die Protagonisten von ProQuote-Regie sollten sich jedenfalls nicht mit diesem Nahziel zufrieden geben, sichert die Regisseurinnenquote doch lediglich die gendergerechte Auftrags- und Mittelvergabe. Da sich das Filmgeschäft jedoch nicht unwesentlich an Einnahmen durch Kinogänger misst bzw. an Zuschauerzahlen im TV orientiert, muss hier weitergedacht werden. Denkbar wäre eine Verpflichtung für jeden Bürger, sich Filme von Regisseurinnen und Regisseuren in gleichem Maße anzuschauen. Per landesweiter Datenbank (Schäuble wird sich auf die Aufgabe freuen!) könnte kontrolliert werden, ob nicht doch das eine oder andere Chauvinistenschwein mehrheitlich Filme männlicher Filmemacher konsumiert. Neben der obligatorischen Bewährungsstrafe (natürlich nur beim ersten Vergehen, später können Delinquenten nicht mehr mit so viel Nachsicht rechnen) könnte die Geldstrafe problemlos im Rahmen der Steuererklärung verrechnet werden. Auf diese Weise könnten gar etliche neue Stellen im öffentlichen Dienst entstehen, welche aufgrund der Eigenart der Arbeit selbstverständlich nur durch alleinerziehende Frauen besetzt werden.


Im weiteren Verlauf der öffentlichen Gendermainstream-Debatten könnte der Weg für weitere wichtige Schritte geebnet werden. So werden bis heute männliche Charaktere fast ausschließlich durch männliche Darsteller verkörpert, von einer Quote sind wir hier noch Lichtjahre entfernt! Filme wie „Fight Club“, „Lethal Weapon“ oder „Ganz oder gar nicht“ dagegen haben ausschließlich männliche Hauptcharaktere und könnten (sofern sie nicht nachträglich „überarbeitet“ werden) endlich auf dem längst überfälligen Index landen.

Beginn des Umdenkens oder wieder nur Tropfen auf den heißen Stein?

Schaut man sich in unserem Testosteron-dominierten Land um, erkennt man die vielfältigen Baustellen, welche noch zu beackern sind! Speziell im Sport herrscht nach wie vor unerträgliche Ungerechtigkeit und männliche Bevorzugung: Bei den Eisbären Berlin hat es eine Frau bis heute noch nicht einmal auf die Ersatzbank geschafft, und Trainerinnen sucht man in der Männerbundesliga vergebens (dafür gibt es Trainer in der Frauenbundesliga!) – Unhaltbare Zustände!


Aber auch in anderen Berufsfeldern herrscht selbstherrliche Männlichkeit vor. Türsteher sind nach wie vor häufiger männlich, auch Kranführerinnen sind auf deutschen Baustellen schwer ausfindig zu machen. Ähnlich verhält es sich bei Taxifahrern, Stammkneipengästen, LKW-Fahrern, Maurern, Terroristen, Fliesenlegern, KfZ-Mechatronikern, Soldaten, Kanalarbeitern, Tischlern, Autohausbesitzern… Studiert man zusätzlich die Statistiken zu verurteilten Sexualstraftätern, erfassen einen endgültig Depressionen, denn hier stellen Frauen die sprichwörtliche traurige Randgruppe dar. Es gibt noch viel zu regeln.

Revolutionärer Vorstoß

Es kann vor diesem intoleranten Hintergrund nicht verwundern, dass die Forderungen nach Frauenquoten stets ablehnend aufgenommen werden. Immer wieder werden Vordenkerinnen mit denselben ewig-gestrigen Stereotypen bedacht und müssen sich dieser erwehren. So hat bspw. die österreichische Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek in ihrer Broschüre „Tradition und Gewalt an Frauen“ (https://www.bmbf.gv.at/frauen/gewalt/fin_Tradition_und_Gewalt_an_Frauen.pdf?4jj2r1) lobenswert auf die Diskriminierung von Frauen im Rahmen von Steinigungen aufmerksam gemacht. Völlig korrekt wird ausgeführt, dass „die Durchführung der Steinigung selbst eindeutig Nachteile für Frauen [aufweise], weil Männer nur bis zur Hüfte, Frauen hingegen bis zu den Schultern eingegraben werden. Dies ist bedeutend, weil im Falle des „Sich-Befreiens“ der (oder des) Verurteilten eine Begnadigung durchgesetzt werden kann. Dies ist bei Männern somit weitaus wahrscheinlicher.“ Aber haben Muslimräte in aller Welt den Hinweis aufgenommen und verarbeitet? Fehlanzeige! Stattdessen ist wieder nur gleichgeschaltete Politikerrhetorik voll vorgegaukelter Empörung zu bestaunen.


Es bleibt nur zu hoffen, dass Frau Heinisch-Hosek ihren sensationellen Denkansatz trotz des eisigen Gegenwindes weiterhin unverdrossen verfolgt. Hier sind echte Revolutionen möglich, der erste Schritt ist getan. Wenn Steinigungen bald (in einer besseren Welt) genderkonform ablaufen, ist die Ablösung von längst überholten Diskriminierungen verschiedenster Ausprägungen zum Greifen nahe. Man stelle sich das Paradies vor, in welchem sich Vergewaltiger per Quotenregelung weibliche Opfer nur noch zu 50% aussuchen dürfen!

Auch Sprachregelungen bilden aktuell nur die Ausnahme

Die Stagnation hin zur Gleichstellung ist trotz vieler toller und sinnvoller Fördermaßnahmen durch den Staat als alarmierend zu werten. Jede Behörde hat mittlerweile eine Gleichstellungsbeauftragte vorzuweisen, und Lehrstühle an Hochschulen zur Genderforschung sprießen wie Pilze aus dem Boden. An den Universitäten Potsdam und Leipzig wurde die gendergerechte Sprache integriert, es dürfen dort ausschließlich die Begriffe „Professorin“ oder „Dozentin“ verwendet werden, unabhängig vom Geschlecht der gemeinten Lehrkraft.


Erfreulich mutig zeigt sich auch die Humboldt-Universität zu Berlin, die in einer Broschüre zum antidiskriminierenden Sprachhandeln das Geschlecht völlig ausblendet und stattdessen die geschlechtsneutrale Form „–x“ (bspw. Professx) propagiert (http://feministisch-sprachhandeln.org/wp-content/uploads/2014/03/onlineversion_sprachleitfaden_hu-berlin_2014_ag-feministisch-sprachhandeln.pdf). Richtig und wichtig!


Indes, es bleiben, wenn überhaupt, einzelne zarte Pflänzchen der Hoffnung. So lange Frauen für einen lukrativen Posten in deren Bewerbungen mehr als das Geschlecht ausführen müssen, ist der Kampf für mehr Gender-Gerechtigkeit noch nicht gewonnen. Und so lange der Frauenanteil im EU-Parlament sowie im Bundestag lediglich jeweils ca. 36% beträgt, braucht sich niemand über rückständige Politik zu wundern. Viel schlimmer noch, Reformgedanken enden so:

Fatale ästhetische Folgen der Energiewende (mehrheitlich durch männliche EU-Politiker durchgesetzt); eigenes Foto
Fatale ästhetische Folgen der Energiewende (mehrheitlich durch männliche EU-Politiker durchgesetzt); eigenes Foto

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Kommentare: 1
  • #1

    fetteSauvomORB (Donnerstag, 05 März 2015 11:23)

    Der Artikel war mehr nach meinem Geschmack.