Im Würgegriff des Terrorismus

In Folge des grausamen Anschlags auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo geht auch in Deutschland die nackte Angst um. Die wenigen Verwegenen oder von der Ehefrau Genervten, die sich noch aus dem Atomschutzbunker im eigenen Garten trauen, entdecken menschenleere Straßen, Geisterstädte, Selbstbedienungstankstellen, stille Karaoke-Bars. Nur die Verwaltungsgebäude wirken von außen wie immer.

Doch das alles wäre noch zu verschmerzen, sind doch volle Straßenkreuzungen und frühes Aufstehen im Alltag ohnehin nicht die Lieblingsbeschäftigungen des Deutschen. Im eigenen Bunker Vor-sich-hinvegetieren kommt der Sache dagegen schon deutlich näher. Wenn aber die Urlaubsreise gefährdet wird, ist Schluss mit lustig!


Eigens aus diesem Grund war heute im Sat 1 Frühstücksfernsehen ein „Experte“ zu Gast, welcher mit seinen unsagbar weisen Ratschlägen das ganze Ausmaß der Situation in seiner Dramatik erstmals greifbar machte: Auf einer Karte waren Europa und Nordafrika zu erkennen, farblich eingefärbt entsprechend der Kriminalitätsgefahr. Italien war orange (wegen der Mafia), nordafrikanische Länder schon eher rötlich leuchtend (wegen der ganzen politischen Lage und so), einige europäische Hauptstädte waren rötlich-schimmernd ebenfalls hervorgehoben, hier gilt natürlich Terrorwarnstufe 1.


Zum Glück hatte der Experte auch gleich Lösungsvorschläge mitgebracht: So könne man Italien schon bereisen – man müsse halt nur wissen, dass es dort eben die Mafia gibt (Aha, vielen Dank). In größeren Städten und inmitten unübersichtlicher Menschenmengen solle man halt etwas wachsamer sein (fantastischer Tipp – vielleicht sieht man den Attentäter ja eine Sekunde lang, bevor der den Knopf drückt).


Uuuhuund: Reisewillige sollten sich vorab über das Land, in welches sie zu reisen beabsichtigen, informieren. Damit ist auch der Alptraum aller Pauschaltouristen (ca. 104% aller deutschen Urlauber) endgültig Realität geworden, denn anstatt sich für 399 EUR inkl. Flug 4 Wochen lang im 4-Sterne-Hotel ganztags am Pool zu räkeln und diese Haltung nur zu den 5 all inclusive-Mahlzeiten am Tag aufzugeben, soll man sich jetzt auch noch politisch und kulturell weiterbilden?! „Na das kann ich auch zu Hause, da muss ich nicht für wegfahren!“, hört man den Deutschen schon blaffen.


Es steht zu befürchten, dass der Deutsche dann einfach zu Hause bleibt, und genau mit dieser Betroffenheit war der letzte Ratschlag seitens des Experten auch intoniert. Schlimm, die Folgen des Terrors.

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